Startschuss: echt fett!

Jahrelang habe ich mich als Ärmste der Armen gefühlt, wenn ich mir alle Leckereien versagte, während meine beiden Turbostoffwechsler neben mir essen konnten, was immer ihnen grade beliebt. Und dann das!

 

Den Startschuss meiner Stoffwechseldiät habe ich mir so zurecht gelegt, dass ich im Kurz-Schiurlaub endlich mal all das essen kann, was ich mir sonst immer diszipliniert versage. Schlemmen am Frühstücksbuffet, mittags auf der Schihütte und abends beim leckeren Fünfgangmenü – das macht die Vorfreude auf den Diätstart und das Urlaubswochenende doppelt groß!

Mit drei- bis viertausend Kalorien soll ich mir zwei Tage lang den Bauch vollschlagen, bevor es mit den kalorienarmen 21 Tagen losgeht. Auch wenn mir immer noch nicht einleuchten will, warum ich mir den einen oder anderen Kilo mit Dingen anfuttern soll, die ich seit Jahren nicht esse – ich habe beschlossen, den Vorgaben zu folgen, auch aus journalistischem Interesse. Also gönne ich mir zum Frühstück ein heißgeliebtes, backofenfrisches Croissant zu meinem Latte und weil’s eh nur 400 Kalorien wiegt, noch ein zweites. Mittags auf der Hütte entscheide ich mich zwischen Germknödel mit Vanillesauce und einer deftigen Portion Pommes mit Berner Würstl für zweiteres, weil Fettiges Süßem vorzuziehen ist. Eigentlich sollten es zwar ‚gesunde Fette‘ sein, aber das lässt sich auf der Pongauer Schihütte nicht so gut bewerkstelligen. Und weil es sonst bei uns eh nur gesunde Fette gibt, schlag ich einfach mal so richtig über die Stränge.

Als das Abendessen näher rückt, kann ich mir schon am ersten Schlemmertag kaum vorstellen, schon wieder zu essen. Mein Magen – immer noch prallvoll – drückt gegen das Zwerchfell (und sonst noch einiges) und ich fühle mich noch nach Stunden vollgefressen und mag an Essen gar nicht denken. Aber was sein muss, muss sein und im Hinblick auf die nächsten kargen Wochen – Augen zu und durch. Fazit: Ich schlafe schlecht, bin morgens unleidlich und beim Gedanken an das doch allso geliebte Croissant schleicht sich leichte Morgenübelkeit ein. Wie einem Kleinkind muss mir mein lieber Mann die Schischuhe zumachen, weil ich beim Versuch es selbst zu tun, fast ersticke! Entwürdigend!

Mittags auf der Hütte zählt an Tag 2 nicht mehr die Wahl zwischen Germknödel und Pommes, sondern ich suche das kleinste Übel unter den Möglichkeiten. Von Hunger bin ich so weit entfernt wie vom Mars, aber wenn ich nichts esse, schaffe ich die dreitausend Kalorienmarke nicht. Meine Wahl fällt auf eine Gulaschsuppe mit Vollkornweckerl, die den Tageszähler nur marginal hinaufbewegt. Ich verschiebe die Hoffnung auf abends, wo ein Besuch bei Mc.D. auf dem traditionellen Urlaubsheimreiseprogramm steht. Hier kann ich endlich ohne jede Hemmungen zuschlagen. Vielleicht zwei Big Mäcs? Ich schaffe nicht mal einen und muss zu guter Letzt die Kalorienschraube daheim noch mit Schokolade in die Höhe treiben.

 

Wer hätte das gedacht

Neben dem abtörnenden Gedanken an Essen nehme ich eine besondere Erfahrung aus diesen Schlemmertagen mit: Ich bin froh, nicht mehr essen zu müssen und ich weiß jetzt, dass es eigentlich im Grunde gar nie Entbehrungen waren, weil mein Körper all das, was ich dachte zu brauchen und zu wollen, überhaupt nicht will! WOW!

Insofern fängt diese Stoffwechselsache richtig gut an: Nämlich mit der Erkenntnis, dass ich jahrelang nur das Opfer meiner verqueren, gierigen Gedanken war. Erleichtert stelle ich daheim auch noch fest, dass sich der 2-Tages-Schlemmer-Wahnsinn ’nur‘ mit 1,5 Kilo zu Buche schlägt. Es hätte schlimmer kommen können!

Foto: © kharkov, Fotolia.com

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