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ON MY WAY

Rabenschwarze Tage

Ich bin ja ein unverbesserlicher Optimist und meine Gläser sind daher immer halbvoll. Aber auch bei mir gibt’s Tage, an denen mein Himmel gar nicht mehr blau werden mag …

Heute ist wieder ein solcher. Frühmorgens schon der erste Schlag: In einer E-Mail teilt uns die Druckerei mit, dass – nach den letzten beiden erklecklichen Erhöhungen in diesem Jahr von mehr als vierzig Prozent – nun ab sofort ein weiterer Aufschlag von mehr als elf Prozent verrechnet wird. Energiekostenzuschuss. Da wir ja nicht zu jenen Verlagen zählen, die mit Steuergeldmillionen durch die schwierigen Zeiten getragen werden, klingen eine Preissteigerung von knapp 60 Prozent innerhalb von wenigen Wochen, die angedrohte Papierknappheit allgemein, steigende Kosten für Paketdienste und natürlich erhöht auch die Post das Porto, langsam wie ein wirtschaftliches Todesurteil.

… manche sind eben gleicher

Während ich mich von diesem Schock noch zu erholen versuche, trudelt eine E-Mail in meinem Posteingang ein, in der mir (und sicher auch tausenden weiteren Unternehmer/-innen in diesem Land) die Wirtschaftskammer Adressenmaterial von ihren Mitglieder zum Verkauf anbietet. Nun – vieler unserer Kunden mussten vor noch nicht allzulanger Zeit in die Tasche greifen, um ihre Internetauftritte an die Regeln der neuen Datenschutzgrundverordnung anzupassen. Damit ja keiner von unseren kleinen Webshops oder Info-Homepages Schindluder mit den Mailadressen deren vergleichsweise verschwindend kleiner Besucheranzahl treibt. Amazon, Facebook & Co kratzt all das schlichtweg gar nicht. Die Wirtschaftskammer übrigens auch nicht, denn auf meine Nachfrage hin teilt man mir lapidar mit: „Als Wirtschaftskammer sind wir im Sinne des Wirtschaftskammergesetzes dazu berechtigt, Daten an Dritte weiterzugeben.“

Tja, was soll man dazu noch sagen … wer am längeren Ast sitzt, kann sich’s finanziell gut richten, (Zwangs)Mitgliedschaftsbeiträge einheben und dann mit diesen Daten auch noch schwunghaften Handel betreiben.

Dass so manchem da langsam die Lust drauf vergeht, die Hälfte seines hart erarbeiteten Einkommens dem Staatsapparat in den Rachen zu schieben, kann ich an Tagen wie diesen nur allzu gut verstehen! Aber wer weiß … vielleicht sind diese Mehreinnahmen ja der Plan für eine Unterstützungsaktion der von der wirtschaftlich schwierigen Zeit gezeichneten Mitglieder? Oder wird damit womöglich die nächste Ö3-Weihnachtsaktion gesponsert? Man wird sehen …

Ich bin heute jedenfalls müde. Müde von den vielen Lügen, der Korruption, dem Egoismus, der Erpressung, der Manipulation, dem Ausgenützt-werden … heute ist eben einer dieser rabenschwarzen Tage für mich.

Foto: AdobeStock

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