Essen lernen

Nun ist es schon eine Zeitlang her, seit ich mein neues Ernährungsprogramm gestartet habe. Um ein Kilo Muskelfleisch schwerer und um 300 Gramm Körperfett leichter laviere ich mich tagtäglich durch eine Hochschaubahn der Gefühle mit dem Fazit: Ich muss jetzt erst mal essen lernen.

Die gute Nachricht voran: Ich mache (einigermaßen) brav meine Fitnessübungen. Dank dem wöchentlichen Besuch von Alexander Havlik jedenfalls einmal pro Woche, denn bei der Affenhitze der letzten Wochen und dem Arbeitspensum von zwei Schlussredaktionen und allerlei Agenturaufträgen, die alle noch rechtzeitig vor Urlaubsantritt fertig werden wollen, schaffe ich ehrlichgesagt meine zweite wöchentliche Trainingseinheit nur manchmal. Trotz alledem: Ich steigere mich von Mal zu Mal und meine neuen Muskeln sind nicht nur messbar (BIA-Analyse), sondern auch spür- und manche sogar auch schon sichtbar.

Liebe Not beim Essen

Mit dem Essen hatte ich aber jetzt wochenlang meine liebe Not. Um aus dem Hungerstoffwechsel zu entkommen, sind mir ja 1500/1600 kcal täglich verordnet worden. Was anfangs wie das Schlaraffenland gewirkt hatte, stellte sich bald mal als ziemliche Krux heraus: 1000 Kalorien waren leicht machbar, bei 1200 fühlte ich mich schon pappsatt und nur ganz selten kam ich überhaupt darüber hinaus.

Viel Eiweiß und wenig Kohlehydrate – wie zum Geier macht man das denn überhaupt? Meine Standardprogramme konnte ich allesamt mal über Bord werfen. Das Weckerl zu Mittag oder zwei Scheiben Brot mit zack-zack Humus draufgeschmiert brachten kaum Kalorien und Eiweiß, sprengten dafür meinen Kohlehydratrahmen. Um an mehr Eiweiß zu kommen also Fleisch, Schinken und Milchprodukte. Täglich. Mit zusammengebissenen Zähnen, denn eigentlich mag ich (außer dem einen oder anderen Käse) gar keine Kuhmilchdinger essen und Fleisch … naja, jeden Tag!? Spätestens nach einer Woche grauste mir schon und von appetitlichem Schlaraffenland war weit und breit nix mehr zu sehen.

Entsprechend verliefen die Kontroll-Messungen bei Sesomed: Muskel-Plus, viel Wasser eingelagert (bei der Hitze doch kein Wunder!) und leider noch keine nennenswerte Bewegung beim Körperfett. Analyse meines Ernährungstagebuchs, weitere Tipps, … mehr Salat und Gemüse! Ich mag Gemüse, und ich mag auch Salat – grade bei der Hitze. Aber jeden Tag Salat essen müssen ist auch nicht lustig. Zumal sich dieser ja dann auch weder auf meine Kalorienbilanz noch auf meine Eiweißmenge so grandios ausgewirkt hätte.

FRUST!

Tag für Tag musste sich meine (vollschlanke!) Familie (mit verdrehten Augen, ich hab’s genau gesehen!) mein Frustgeheul anhören. Das wird schon, trösteten sie mich, und er hat doch gesagt, dass das dauert, bis sich der Stoffwechsel umgestellt hat, und … Doch das prallt an einem ab, der sich abmüht und nix weiterbringt, während er genau weiß, dass zwei Wochen strenge Phase bei Metabolic Balance gleich mal sechs Kilo wegfressen kann! Auch wenn einem hieb- und stichfest gezeigt wird, dass es sich dabei vorwiegend um Wasser und Muskelprotein handelt – braucht man da schon Nerven wie Drahtseile, um nicht umzukippen!

Die Rettung kam von meiner heißgeliebten Ärztin, die mir auf Facebook die Low Carb-Challenge verlinkte. Ich hatte zwar nicht vor, mein Fitnessprogramm umzustellen, und auch in keinen Bewerb mit 4.000 anderen einzusteigen, aber wer weiß, … dachte es und klickte mich rein. Am 3. August startete diese 30-Tage-Challenge, in der es darum geht, mittels Low Carb-Ernährung und Fitness-Programm möglichst viel Gewicht zu verlieren und die Ernährung umzustellen.

LOW CARB

derzeit ja in aller Munde – also kohlehydratreduzierte Ernährung, mit hohem Eiweißanteil – das war doch genau das, was ich brauchte! Mit Startschuss vor zwei Wochen kam Bewegung in die Gruppe und in mein Leben. Via Facebook trudelten im Minutentakt Posts herein, die richtig nervig wären, wenn da nicht quasi ununterbrochen Low Carb-Rezepte frei Haus mitkämen, die eines leckerer als das andere aussahen. Nicht nur Fleisch- und Gemüsespeisen, auch Backwaren und Brot, auf die zu verzichten mir ja besonders schwer fiel. Ich kam mit dem Nachkochen gar nicht nach und mein Backofen glühte wie nie zuvor!

Plötzlich lernte ich neue Lebensmittel kennen wie Kokos-, Mandel- oder Kichererbsenmehl und ich staunte nicht schlecht, was da plötzlich alles möglich war. Neugierige finden meine Experimente auf meiner nagelneuen Facebookseite Lilly kocht, wo ich foodporn-mäßig vor lauter Begeisterung alles bildlich festhalte! Und auf einmal ist es gar nicht mehr so schwer, auf die angepeilte Kalorienmenge zu kommen und dabei unter 100 Gramm Kohlehydrate zu bleiben und trotzdem ausreichend Eiweiß zu essen (auch wenn man sich, wie ich, von Soja lieber fernhält).

Und siehe da: Gleich sind mal 300 Gramm Körperfett weggeschmolzen! Yeah!

Mag sein, dass ich das in den kommenden zwei Wochen, während ich mit dem Wohnmobil & Kind & Hund mit dem Göttergatten durch das schöne Dänemark tingeln werde, nicht so perfekt hinbekomme, auch wenn wir viel mit den beigepackten Radln unterwegs sein werden. Danach geht’s jedenfalls Vollgas weiter, jetzt, wo ich endlich essen gelernt habe!

to be continued

Foto: Mein erster Versuch waren Heidelbeer-Muffins! Nach einem Rezept aus meinem erklärten Lieblingsblog: Happy Carb – wow!

 

 

 

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