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ON MY WAY

Abenteuer Medizinrock (1)

Schon seit Jahren liebäugle ich mit dem Medizinrock und habe schon öfter bei Seminaren ein wenig neidisch auf die bunten Röcke und die Gemeinschaft der Medizinrock-Frauen geschielt. Heuer war es so weit – ich bin dabei und damit eine der dreizehn Medizinrock-Schwestern 2023!

Den Ausschlag gab ein Podcast, den ich mit Evi Schwarz über das Medizinrock-Feld gemacht habe. Der hat mich so gefangen genommen, dass ich mich am Ende der Aufnahme spontan angemeldet hatte. Ich arbeite nicht so gerne in Gruppen (darüber hat übrigens Sabine Rueland so herrlich geschrieben), doch Seminare bei Evi Schwarz sind hier ganz besondere Ausnahmen. Sie schafft einen so besonderen heilsamen Raum für Frauen, aus dem ich immer tief bewegt und sehr verbunden aufgetaucht bin.

Ankommen

Das Seminar findet am Hochficht im Böhmerwald (OÖ) statt und entgegen der Aufnahmen der Webcam ist es dort (Gottseidank) nicht mehr tiefverschneit, sondern schon sehr frühlingshaft. Das Medizinrad ist bereits aufgebaut und langsam tröpfeln die Frauen herbei, die in diesem Jahr diesen besonderen Zyklus mitgehen. Magisch, dass es grad heuer 13 Frauen sind!

Der Medizinrock – ein Fransenrock mit unglaublicher Geschichte (der älteste Fund ist ca. 20.000 Jahre alt) – hat nichts mit Medizin im Sinne von Medikamenten zu tun, sondern mit der ureigenen Kraft der Frau, die sie für diese Welt, in dieser Inkarnation, mitbringt. Ich will mehr wissen über meine eigene Medizin und Evi Schwarz verspricht uns, das auf diesem schamanischen Weg zu erfahren. Gleichzeitig findet am Ende des Seminars, wenn der eigene Medizinrock fertig ist, eine Initiation in das heilige Feld der Medizinrock-Frauen statt.

Heilige weibliche Zyklen und ihre Magie

Ich erkenne: Mit dem Wort Weiblichkeit tu ich mir ein bisserl schwer. Es ist bei mir sogleich mit Mütterlichkeit verbunden, mit mir als Frau kann ich kaum etwas anfangen. Das macht mich nachdenklich, vor allem, als wir in weiterer Folge viel über den weiblichen (Menstruations)Zyklus und seine vier Stadien und Kräfte erfahren. Kein Wunder, dass es abends im Zuge der Meditationreise wieder Thema wird und mir eine meiner Ahninnen dabei den Mantel der Mutter abnimmt, mich auffordert, mich zu voller Größe aufzurichten und nun meinen Weg als Frau weiterzugehen. Wow! Sie fordert mich gleichzeitig auf, meinen Körper stärker zu achten und für ihn gut (besser) zu sorgen. Zurück aus dieser meditativen Reise nehme ich mir vor, wieder mehr Bewegung und endlich wieder regelmäßig Yoga zu machen …

Beruhigend: Frauen im bzw. nach der Menopause leben die vier Kräfte nicht mehr im Rahmen des Zyklus, sondern quasi gleichzeitig. Können also auf die jugendliche Kraft, die Mütterliche ebenso wahlweise zugreifen wie auf die Zauberin und die Alte.

Nein! Das ist nicht meine Spindel, sondern die meiner begnadeten Sitznachbarin!

Jahrtausendealtes Handwerk

Die wunderbare Carmen Kaiser übernimmt den handwerklichen Part in diesem Seminar und führt uns in das Spinnen ein. Wir spinnen mit einer Handspindel, allerdings nicht wie früher Pflanzenfasern, sondern rohe Schafwolle. Ich bin froh, dass ich heute schon weiß, dass ich eher mit zwei Linken gesegnet bin, habe daher keine hohen Ansprüche an handwerkliche Perfektion. Die junge Frau, die neben mir sitzt und vom Start weg dünne, völlig gleichmäßige Wollfäden spinnt, stürzt mich also nicht mehr in eine persönliche Ego-Ohnmacht, sondern erhält meine tiefe Bewunderung. Ich hingegen plage mich derweil noch damit ab, meine Links-Rechts-Schwäche zu überwinden, die Spindel also in die richtige Richtung zu drehen und überhaupt etwas halbwegs Wollfaden-ähnliches zu produzieren.

Bei mir hat das anfangs so ausgesehen 🙂

Natürlich geht es aber dabei überhaupt nicht um die „schönsten Wollfäden“. Das Spinnen – sobald es sich, wie Carmen so schön sagt, im Muskelgedächtnis eingeprägt hat – ist eine hochmeditative Arbeit. Das Spinnen der Schicksalsfäden ist in zahlreicher Mythologie zu finden und Evi erklärt uns, dass mithilfe des Spinnens alte Glaubenssätze herausgesponnen werden, aber auch Visionen und Wünsche ins Leben gesponnen werden können.

Auf die Plätze – los!

Die Prozesse starten. Nicht nur bei mir selbst, sondern es ist auch bei meinen Mit-Schwestern mehr oder weniger deutlich zu erkennen. Hätte ich nicht bereits in einem früheren Seminar ein mächtiges Ego-Thema bei einer handwerklichen Übung (üb)erlebt, hätte es mich bestimmt hier voll erwischt. Heute kenne ich meine Stärken und Schwächen viel besser und muss mich nicht (mehr) über meine (handwerklichen) Arbeiten definieren. Aber es ist ganz schön interessant, in einer Gruppe von Frauen zu sitzen und eine der Patschertsten zu sein 😉 Und es tut echt gut, dann darüber lächeln zu können und nicht mehr darunter zu leiden! Persönlichkeitsentwicklung ist wahrlich sooo heilsam!

Als Steinbock-Frau bin ich natürlich aber dennoch ehrgeizig. Ich will heut zwar nicht mehr die schönsten Fäden spinnen, aber ich möchte doch das Prinzip des Spinnens soweit behirnen, dass es einigermaßen klappt. Ich spinne also noch abends bis spät in die Nacht im Zimmer. Und tatsächlich … langsam werden meine Fäden etwas ansehnlicher und halbwegs so gleichmäßig, dass ich mir vorstellen kann, dass es langsam möglich wird, diese dann später auch zu verweben.

Was für eine heilige Idylle: Gemeinsam unter freiem Himmel im Steinkreis sitzen, spinnen und singen

Gemeinschaft

Es gab ja bereits vier Medizinrock-Zyklen vor uns und mit dem Abschluss unseres Seminars werden auch wir in den heiligen Kreis der Medizinrock-Frauen aufgenommen. Auch wir dreizehn Frauen fühlen uns in diesen ersten drei gemeinsamen Tagen schon sehr miteinander verbunden. In dem speziellen Feld geht es auch darum, alle Masken fallenzulassen, ganz echt zu sein und – wie Evi so schön sagt – sich nackig zu machen. Erst, wenn wir uns rausschälen aus all diesen „ich muss“, „ich soll“ etc. kommen wir langsam in unserer ganz persönlichen Urkraft zum Vorschein. Auch für uns selbst. Das sind sehr berührende Momente, die wir auf diesem Weg dorthin erleben und wir spüren wohl alle, wie groß unsere innere Sehnsucht eigentlich ist, als die erkannt und gesehen zu werden, die wir (eigentlich) sind.

Der fertige Medizinrock von Carmen Kaiser

Daheim geht die Reise weiter

Das betrifft nicht nur das Spinnen (das ich weiterhin fleißig übe). Schon montags habe ich einen Termin zur Zahnhygiene, vor dem mir immer sehr graut. Ich habe extrem schmerzempfindliche Schneidezähne und das Lasern, Spülen und Blasen mit dem kalten Wasser und dem eisigen Luftstrahl verursachen mir stets Schmerzen, die mich an den Rand meiner Belastbarkeit bringen. Auch wenn ich mich mental noch so sehr bemühe, zittere ich unwillkürlich am ganzen Körper, Tränen fließen, obwohl ich gar nicht weine. Schrecklich! Sogar meine Zahnhygienikerin fürchtet sich schon vor den Terminen mit mir!

Diesmal nehme ich mir vor, mich gedanklich mit dem Feld der Medizin-Schwestern zu verbinden. Ich möchte die Probe aufs Exempel machen, ob hier wirklich so viel weibliche Magie wirken kann. Kurzum: NACH dem Termin war meine Zahnhygienikerin völlig verwundert darüber, wie problemlos es diesmal funktionierte. Ohne Zittern, ohne Tränen. Bämmmm!

Kurz darauf erhalten wir Medizinrock-Frauen die Nachricht, dass das Kind einer unserer Schwestern akut erkrankt ist. Wer Zeit hat, soll für das Genesen des Kindes spinnen. Wie viele andere Medizinrock-Frauen spinne ich abends ein paar Stunden lang mit diesem Fokus. Tags darauf erhalten wir die entwarnende Antwort: Der Akutfall hat sich so stark gebessert, dass eine Entlassung aus dem Krankenhaus möglich ist. Bämmmm!

Der Prozess …

Auch wenn ich persönlich jetzt kein Problem mehr damit habe, dass ich das Spinnen am langsamsten kapiert habe und meine Wollfäden bestimmt keinen Schönheitspreis gewinnen, heißt das natürlich nicht, dass ich nicht in einen tiefen Prozess eingetreten bin. Dass meine Wollfäden trotz aller Bemühungen immer noch so „hatschert“ aussehen, hat eine Reflektion getriggert: So sehr ich mich im Leben auch bemühe, ich schaffe es nicht übers Mittelmaß hinaus. Wow! Es folgen schmerzliche Tage mit vielen dicken Tränen, viel innerer Arbeit und der Suche nach meinem Ich-Bin. Nun, und da stehe ich jetzt. Und spinne mal munter weiter, in der Hoffnung auf weitere Erkenntnisse und Hinweise. Und noch viel Magie.

In unbändiger Vorfreude auf den nächsten Seminarzyklus, in dem wir unsere Wolle mit Pflanzenfarben unserer persönlichen Medizinpflanzen färben werden …

stay tuned!

 

 

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