Keiner wie der andere

Seit wir stolze Eltern von Border Collies sind, hören wir viele Profikommentare. Dabei ist es bei dieser Rasse, wie wohl bei jeder anderen: Keiner ist wie der andere!

Der meistgehörte Kommentar ist eindeutig: Oiiii, die brauchen viiiiel Bewegung! Hm, da haben die Kommentatoren wohl die Rechnung ohne unserem Spencer gemacht. Schon als Junghund hat er sich bei Spaziergängen einfach in die Wiese gelegt, wenn er genug hatte. Und er hat bald mal genug 🙂

Dann kam unser Lewis, der als Welpe ein verschlafenes Pummelchen war und nicht den Anschein machte, eine große sportliche Herausforderung zu werden. Hm. Weit gefehlt! Kaum dem Welpenalter entwachsen, war zu unserer Überraschung klar: Lewis ist ein echter Körperhund. Rennen, rennen, rennen ist seine Deivse, da war ein gut eintrainierter Rückpfiff unsere oberste Priorität, um dem Jungspund zu ermöglichen, was er so sehr liebt und braucht. Doch auch Lewis kann natürlich nicht stundenlang wie der Irre durch die Gegend rennen – also: erst mal ausgepowert, reicht es dann auch schon wieder.

Natürlich kommen unsere Hunde auch bei längeren Ausflügen und Wanderungen, Lewis als Partner beim Mountainbiken (für Spencer ist das zu langweilig und meist auch zu lange) oder auf Schitouren, auf ihre Kosten. Aber brauchen tun‘s beide nicht wirklich.

Ideal ist für beide Hundesport wie etwa Agility: Kurze Einheiten, in denen sie sich auspowern können, der sportliche Gedanke, der beide schon in ihren jungen Jahren (2,5 und 3,5) motiviert, und die Zusammenarbeit mit dem Herrchen sind eine Freude. Aber auch hier erkennen wir Unterschiede: Während Lewis wie ein Pfitschipfeil durch den Parcour rast, Stangen von Hürden einfach mit Brust oder Kopf wegfetzt, weil er es so eilig hat, geht es Spencer viel bedachter an, der zwar nie einen Tempowettbewerb gewinnen wird, aber von Beginn an prima auf Handtarget reagiert und daher wunderbar zu führen ist und schon nach kurzer Zeit fehlerlose Läufe zeigt. Doch selbst hier kann es beim Training passieren, dass Spencer genug hat, und einfach mitten im Parcour abdreht und sich ausruhen geht 😉 Das würde bei unserem Agility-Workaholic Lewis nie passieren …

Was wir auch oft hören: Oiiii, die brauchen viel Beschäftigung! Tja, mit dieser Einstellung kann man einen BC-Welpen gleich in den ersten Wochen fertig machen. Was der Welpe braucht ist nämlich Ruhe, Ruhe und nochmal Ruhe. Wie auch andere Rassen verschläft ja so ein Border Collie viele Stunden des Tages, oder sollte er jedenfalls. Wird der Junghund schon zu viel bespielt und bespaßt, kann man ihn oft ein paar Monate später in den Internetforen zur Übernahme finden, weil die Halter ihm nicht mehr Herr werden.

Wir haben das Glück, dass unsere Hunde auch tagsüber bei uns sind, während wir arbeiten. Entspannt liegen sie da unter unseren Schreibtischen und ruhen. Gegen 15:00 kommt langsam Leben in die Bude, denn da wissen die Hunde, dass es zum Training oder zum Spaziergang geht. Danach ist wieder Ruhe angesagt und abends gibt‘s noch eine kleine Trainingseinheit – Tricks, Obedience oder was wir eben gerade üben. 10 – 15 Minuten abwechselndes Training stellt jeden unserer Hunde vollauf zufrieden.

Was wir noch hören: Oiiii, das sind die, denen man so viele Tricks beibringen kann! Zum einen kennen wir eine ganze Reihe Vierbeiner anderer Rassen, die ganz großartige Dog Dancer und Trickser sind, ich halte das keinesfalls für eine rassespezifische Eigenschaft. Natürlich will man sich mit seinem Hund beschäftigen und Spencer konnte schon im ersten halben Jahr etliche Tricks, die ihm sehr leicht beizubringen waren. Mit einem fetten Grinsen und Feuereifer ist er da bis heute bei der Sache! Auch Obedience liebt er sehr!

Lewis ist nur mit allergrößter Anstrengung der eine oder andere einfache Trick beizubringen. Ganz eindeutig macht es ihm keinen besonderen Spaß und – ehrlich gesagt – auch uns nicht. Das muss auch nicht sein – denn „artgerecht“ bedeutet eben nicht unbedingt „rassegerecht“, sondern soll auf die Individualität des Hundes Rücksicht nehmen. Während Lewis von Anbeginn an eine Frisbee zielsicher aus der Luft fangen konnte, hat Spencer bis heute nicht begriffen, dass er dem Flugobjekt nachgucken sollte, wohin es fliegt 😉

Wie unterschiedlich unsere Border Collies sind, zeigt sich auch beim Baden. Natürlich können beide Hunde schwimmen, doch Spencer hält es lieber mit dem Plantschen, auch wenn das geliebte Bällchen im tieferen Wasser landet. Lewis – der Sportler – ist nicht zu halten und schwimmt schon seit Junghundzeiten wie ein Otter. Ein Wunder, dass ihm noch keine Schwimmhäute gewachsen sind.

Das Pool allerdings ist beiden suspekt: Nicht mal Meisterschwimmer Lewis ist da zu einem Sprung ins kühle Nass zu bewegen. Auch wenn sich unsere Mädels im Urlaub (Foto) nach allen Regeln der Kunst bemüht haben, die beiden ins Pool zu locken. Viele befreundete Border Collies springen wiederum voller Elan in Seen und Pools – egal, ob sie dort stehen können oder schwimmen müssen. Tja – jeder Border Collie ist eben anders 😉

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