Wie kommt man bloss auf die Idee …

Ganz oft werde ich gefragt, wie ich eigentlich auf die Idee kam, unsere Regionalmagazine zu gründen. Die Antwort ist relativ einfach: Ahnungslosigkeit, Naivität und jede Menge guter Energie!

 

Im Ernst, ich glaube nicht, dass ich noch einmal den Mut hätte, ein solches Pionierprojekt zu starten. Ohne Kapital, ohne Know-how, ohne Kontakte. Doch damals war alles anders. Ich saß zusammen mit meiner Assistentin in meiner kleinen Werbeagentur und wir freuten uns über die Erfolge der Wein4tler Frauentage, die ich damals ins Leben gerufen hatte. Wir bekamen nicht nur so viel tolles Feedback von den Ausstellerinnen, sondern auch von den knapp 2.000 Besuchern dieser Veranstaltung. O-Ton: Wir wussten gar nicht, dass es so viel tolle Angebote bei uns gibt!

Grund genug, zu erkennen, dass einerseits Kommunikation hierzulande offenbar nicht so richtig funktioniert, andererseits aber auch, dass es Anlass zu Überlegungen gab, wie man das verbessern konnte. Und zwischen Kaffee und zwei Genusszigaretten ward plötzlich die Idee geboren, eine Zeitung ins Leben zu rufen.

Wenig später zog ich mit drei (ehrlichgesagt wenig professionellen) Musterseiten und einer Preisliste im Sommer 2008 durch die Lande, um werbewillige Mitwirkende für unser neues Magazin zu finden. Meist wurde ich belächelt. Einige wenige erkannten das Potential meiner Idee für sich und machten mit, aber bald war klar, dass die ganze Sache für ein eineinhalb-Frau-Unternehmen eine ordentliche Nummer zu groß war.

 

Ein Mann muss her

Und zwar einer, der sich um die Kontakte mit der Wirtschaft bemühte, damit ich mich in der Zwischenzeit den redaktionellen Inhalten, Texten und der Gestaltung widmen konnte. Und er kam. In der Vorbereitungszeit auf die dritte Ausgabe. Und zwar in Gestalt meines eigenen. Der meine Entmutigung und die übermenschlichen Anstrengungen natürlich daheim hautnah mitbekommen hatte, von der Idee der regionalen Lifestyle-Magazine jedoch unvermindert überzeugt war und  kurzentschlossen das Handtuch im sicheren Hafen eines großen IT-Unternehmens warf, um den heimatlichen Mini-Verlag tatkräftig zu unterstützen.

 

Von nun an ging’s bergauf

Ein absurd hartes Jahr 2009 überstanden wir so im gemeinsamen Wollen & Müssen. Mein Mann ging im Wald- und Weinviertel wahrlich von Tür zu Tür und machte sich und unsere „Mädels“ bei so gut wie jedem Unternehmen in den Regionen bekannt. Mit zunehmendem Erfolg.

Wenngleich es bei uns weiß Gott viele Fördertöpfe gibt – für uns waren alle verschlossen. Selbst die Presseförderung, die in unserem Land mit Millionen nur so herumwirft, blieb uns verwehrt. Dass wir mit sehr viel Liebe für die Regionen arbeiteten, fanden unsere Leserinnen und Leser toll und immer öfter auch unsere Werbekunden. Förderstellen hingegen zeigten sich wenig beeindruckt.

Heute, knapp sieben Jahre später, freue ich mich besonders über das (sehr häufige) Leserlob, dass wir Politik nie zum Thema machen. Müssen wir nicht (wie andere), denn wir sind niemandem außer unseren Lesern und unseren Werbepartnern verpflichtet. Womit ich früher sehr haderte, hat sich nun längst zu einem erleichternden Vorteil verwandelt: Keine Rechenschaft abgeben, kein Bitte und kein Danke an offizielle Stellen – Freiheit pur!

Und kein schlechtes Gewissen, Steuergelder zu verbraten. Stattdessen arbeiten wir nach wie vor mit extrem hoher Eigenleistung (wie so viele in unserem Land!), um unser Ding durchzuziehen. Grafik, Fotografie und Texte sowie Werbeberatung und Anzeigenverkauf liegen in unseren vier Händen, nur in seltenen Fällen – wenn es Zeit und Geld erlauben – vergeben wir den einen oder anderen Auftrag an freie Mitarbeiter. So gelingt es uns, vernünftige Preise zu halten – sowohl für unsere Magazine, als auch für die Wirtschaft.

 

Konsequent regional

Stur, wie wir sind, verkaufen wir bei all dem aber nie unsere Seele. Sprich: In Wald4tlerin und Wein4tlerin berichten wir nur über Menschen aus den Regionen. Nicht über internationale Stars, nicht über Klatsch & Tratsch oder Schicki-Micki-Events aus der Bundeshauptstadt, es sei denn, sie stehen in engem Zusammenhang mit Menschen aus der Region. Das mag vielleicht nicht megacool sein, aber das war ja auch nie mein Anspruch. Ich wollte lediglich eine Kommunikationsplattform schaffen, die der einen Seite Gelegenheit gibt, sich in einem schönen Rahmen zu zeigen und der anderen Seite, den Menschen im Wald- und Weinviertel nämlich, mehr über ihre Heimat zu erfahren.

Und wenn wir heute so gut wie täglich irgendwo verwundert hören: „Wie Ihr das macht, immer lese ich etwas Neues, das ich noch nicht kannte!“ und unsere Werbekunden erzählen, welch feines Feedback sie auf Ihre Aktivitäten bekommen, dann weiß ich, dass sich unsere Anstrengungen bisher gelohnt haben. Dass sich die Liebe zu einer Sache auszahlt und dass ein bisserl Ahnungslosigkeit und Naivität nicht immer ein Nachteil sind 😉

Foto: W4media / Stefanie Pollmann

 

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