Haustier mit Auftrag

Ich bin ja schon immer überzeugt davon, dass genau jenes Haustier in mein Leben tritt, das etwas Wichtiges für mich in Bewegung bringt. Dass jedes Tier quasi mit einem Auftrag daherkommt. Spencer bekennt rasch Farbe …

Natürlich sagt man gemeinhin, wer einen Hund hat, bewegt sich automatisch regelmäßig und mehr. Natürlich trifft das auch auf mich/uns zu, denn auch mit Ben mussten wir mindestens zweimal täglich einen Spaziergang machen. Wie sehr Ben ausgeflippt ist, wenn wir Schi, Radschuhe oder Laufschuhe ausgepackt haben, lässt sich gar nicht beschreiben – er hat es geliebt, mit uns sportlich unterwegs zu sein und hat uns mit seiner unbändigen Freude noch einen Tick mehr motiviert.

Spencer, mit seinen zwölf Wochen ja eigentlich immer noch ein Baby, wird bald noch mehr Bewegungseinheiten einfordern, denn unser kleiner Border Collie ist mit der Runde, mit der unser Ben schon sehr zufrieden war, bereits heute nicht wirklich müde zu bekommen. Aber das ist für uns ja keine Überraschung – wir haben uns die Rasse sehr bewusst ausgesucht, weil wir eine sportliche Collie-Variante wollten.

Schon in diesen ersten Wochen zeigt mir Spencer aber, worum es geht: Jetzt steh doch mal von deinem Schreibtisch auf uns spiel mit mir!, sagt sein kecker Blick. Und das ist es auch, was unser Welpi – nicht nur mit direkter Aufforderung – in unser Leben bringt: Die Dauer-Arbeitsspirale – von morgens bis spät nachts – wird plötzlich mürbe. Mitten unterm Tag beschließen wir, einen Waldspaziergang zu machen. Oder im Garten Kaffee zu trinken. Spencer bricht meine eingefahrenen Strukturen von ich muss – ich muss – ich muss auf. Nicht nur, weil er selbst eben seine Bedürfnisse nach Gassi, Spiel und Spaß hat. Ich nehme mir mittendrin Zeit für eine Yoga-Einheit, schalte auch mal den Anrufbeantworter ein und kürzlich bin ich doch glatt mitten unterm Arbeitstag ein paar Runden im Pool geschwommen. Das gab’s in den letzten zehn Jahr selbst an den heißesten Tagen noch nicht!

Auch wenn uns der Süße ganz schön auf Trab hält, spüre ich schon jetzt eine gewisse Entschleunigung in meinem Leben. Dabei passt dieses Wort eigentlich gar nicht zum Image des Border Collies. Aber in einem Bericht einer Hundehalterin dieser Rasse habe ich gelesen: Was mein Hund lernen musste, war Ruhe. Das kann ich schon nach dieser kurzen Zeit bestätigen. Das Interessante daran: Auch ich lerne dabei Ruhe. Und auch wenn Spencer zum x-ten Mal sein Pipi im Haus versprudelt und sich an meinen neuen Flip-Flops vergreift – erstaunlicherweise wird unser Leben trotzdem ruhiger. Wer hätte das gedacht …? Danke Spencer!

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