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BUSINESS / ON MY WAY

Tut Wahrheit wirklich weh?

Eine Sache liegt mir schon seit Längerem im Magen. Ich fühle mich dabei zunehmend unverstanden und auch ein wenig ausgenützt. Auch wenn es mir leicht fällt, das Thema im Alltagstrubel beiseite zu schieben … das fiese Ding kommt immer wieder!

Und so kommt auch der Tag, an dem es mir einfach zu bunt wird. An dem ich mir schon selbst ein bissl doof vorkomme, weil ja das Beiseite-schieben offenbar nix hilft. Also gut – Zeitfenster zum Reflektieren schaffen: Warum schieb ich es immer wieder weg? Warum erledige ich es nicht einfach?

Die kleinen Gespenster kommen hoch: Ich hab Angst, einmal mehr nicht verstanden zu werden, ich fürchte, Sympathien zu verspielen, … Und ich muss unangenehm berührt erkennen: Es fällt mir immer noch schwer, zu meiner Wahrheit zu stehen, wenn sie für mein Gegenüber vielleicht unangenehm sein könnte. Boah! Jetzt geht Wegschieben gar nicht mehr.

2022, das Jahr der Wahrheit, hat mich fest im Griff. Denn es ist auch das Jahr von Selbsterkenntnis, Selbstverwirklichung und Selbstbewusstsein. 

Aus zahlreichen Gesprächen weiß ich, dass es vielen jetzt so geht. Im chinesischen Tierkreis ist heuer ein Tiger-Jahr, und ob wir wollen oder nicht, die Tiger-Kraft macht sich bemerkbar. Sie schiebt an, aber sie gibt auch Kraft und Mut.

Und ich beschließe: Ich will nicht mehr, dass mir meine eigene Wahrheit wehtut. Ich will auch nicht, dass meine eigene Wahrheit anderen Menschen wehtut. Und ich will nicht, dass mir die Wahrheit anderer wehtut. Um das zu erreichen, muss ich meine Wahrheit für mich so gut überprüfen, dass ich fest wie ein Fels in der Brandung zu ihr stehen kann. Selbst.Bewusst.

Und ich spüre: Wenn das getan ist, kann ich auch die Wahrheit anderer gut aushalten, sie rüttelt nicht mehr an mir. Ganz im Gegenteil, sie macht mich ruhig und klar. Ich kann sie stehenlassen, ohne sie zu bewerten, ohne mich an sie anzulehnen, ohne dem Bedürfnis, meine eigene Wahrheit vielleicht doch noch zwei-, drei- oder viermal zu hinterfragen, weil vielleicht …

Und ich entdecke: Erst in dieser Klarheit komme ich in meine (eigene) Kraft, alle Unsicherheit weht davon und … ich bin. Wow, ein richtig feines Gefühl von echter Freiheit.

So gerüstet mache ich mich ans Werk, diese Sache, die mir schon länger im Magen liegt, anzugehen. Ich laviere nicht mehr herum, bin klar, sachlich und kann dabei dennoch großzügig und liebevoll bleiben, was mir wichtig ist. Die Rückmeldungen sind ganz unterschiedlich – von liebenswürdig über verständnisvoll bis zu Rechtfertigungen und kleinen Attacken ist alles dabei. Und auch wenn mir die angenehmen natürlich lieber sind, tun mir die unangenehmen nicht mehr weh. Jeder hat seine eigene Wahrheit und ich bin tatsächlich nur für meine eigene verantwortlich. Egal worum es dabei geht.

Was für eine Erleichterung! Danke, Tigerjahr der Wahrheit, ich werde täglich mehr zu der, die ich bin!

Übrigens: Wahrheit wird wohl in diesem Jahr auch global gesehen noch vielfach ans Licht kommen, wie es ja auch schon in den vergangenen Wochen und Monaten geschah. Auch hier wird wohl so einiges schmerzhaft für uns werden. Umso wichtiger ist es für uns, unsere eigene Wahrheit zu entdecken, damit wir dann auch hier der Fels in der Brandung bleiben können!

Foto: AdobeStock/Microgen

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